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Die zahlreichen Besucher des staatlich anerkannten Erholungsortes
(330 - 540 m ü. NN) Beerfelden werden besonders deutlich
auf den nahegelegenen Aussichtspunkt auf dem Galgenberg aufmerksam
gemacht, von wo aus sich dem Wanderer und Naturfreund eines
der schönsten Rundpanoramen der ganzen Gegend bietet.
Ein kurzer Aufenthalt an dieser denkwürdigen Stelle mit
großer historischer Vergangenheit und dem zeitlich ins
finstere Mittelalter hineinragenden Galgen wird jung und alt
unvergesslich bleiben. Der angrenzende Parkplatz wird von
Autofahrern oft und gerne als Ausgangspunkt für ausgedehnte
Wanderungen benutzt. Der Spaziergänger braucht nur wenige
Minuten, um von der Stadt auf sanft ansteigender Landstraße
in westlicher Richtung das Ziel zu erreichen.

Der Galgen von Beerfelden ist der größte und besterhaltene
im Bundesgebiet, wenn nicht sogar in Europa. Drei schlanke
Rotsandsteinsäulen von ungefähr 5 m Höhe, in
einem Dreieck aufgestellt, bildeten das Hochgericht der Oberzent
unter der Herrschaft der Grafen von Erbach. Diesen wurde 1806
durch die Mediatisierung seitens Napoleons I. die Gewalt über
Leben und Tod ihrer "Untertanen" entzogen.
Der Galgen wurde 1597, also vor dem 30-jährigen Krieg,
anstelle eines Holzgalgens errichtet und war somit im Jahr
1997 400 Jahre alt geworden. Die letzte Hinrichtung fand laut
Überlieferung 1804 statt. Der Delinquent soll eine Zigeunerin
gewesen sein, die für ihr krankes Kind ein Huhn und zwei
Laib Brot gestohlen hatte. Vermutlich wurde sie nach damaligem
Recht in flagranti ertappt, diesmal vielleicht wegen einer
Bagatelle, dann aber für alle Indizien büßen
sollte, ist in manchen Ländern bis heute noch nicht ungewöhnlich.
In den Kirchenbüchern ist lediglich eine Hinrichtung
im Jahre 1746 dokumentiert. Ehebruch und Diebstahl kosteten
Adam Beisel aus dem Nachbarort Unter-Sensbach damals das Leben.
Der gut ausgesuchte Platz des Galgens mit der grandiosen
Umgebung war eine Verschärfung der Strafe. Der Missetäter
sollte noch einmal die Schönheit der Welt erblicken,
die er nun seiner Freveltaten halber verlassen sollte. Auch
war die Massenhinrichtung ein Abschreckungsmittel für
die Vorüberziehenden mit düsteren Plänen im
Kopf. Das vor dem Hochgericht liegende, flach in die Erde
gesenkte rote Sandsteinkreuz soll die Stätte der Absolution
gewesen sein, wo der Delinquent seine letzte Beichte ablegen
und den Trost der Geistlichen empfangen sollte. Dann wurde
er ergriffen, ihm wurde der Strick um den Hals gelegt, er
bestieg einen erhöhten Tritt, von dem er durch Henkershand
heruntergestoßen und ins Jenseits befördert wurde.
Der Brand von 1810, der alle Häuser bis auf 26 zerstörte
und die gewaltige Kirche nahezu restlos ausbrannte, vernichtete
die örtliche Chronik zum allergrößten Teil,
so dass man derzeit auf die kümmerlichen Reste der Archive
im Erbacher Schloss des Grafen und im Hessischen Staatsarchiv
in Darmstadt angewiesen ist, wenn man Näheres über
Beerfelden wissen will.
Die Eisenbänder, welche die Steine der Säulen zusammenhalten,
wurden vor Menschen-gedenken erneuert, sonst wäre der
mittelalterliche Zeuge wohl längst nicht mehr. Es wird
berichtet, die Kosaken hätten 1814 - nach der Völkerschlacht
bei Leipzig auf der Verfolgung Napoleons nach Paris - hier
gelagert, die Bandeisen herausgerissen und ihren Russen-pferdchen
Hufeisen daraus geschmiedet. Um den Galgen herum standen,
wie um jedes Hochgericht des Mittelalters, sieben Linden,
wohl aus Anklang an germanische Thing-Gerichtsbarkeit. Die
eigentliche Zentlinde müsste man allerdings am westlichen
Ausgang der Stadt suchen. Von ihr sind jedoch die Spuren verweht.
Hier wurde das Urteil gefällt und verkündet, und
von hier aus setzte sich der Zug mit dem Sünder auf dem
Schinderkarren Richtung Galgen in Bewegung. Die genannte Zigeunerin
soll auf diesem Weg furchtbar geschrieen und geflucht haben,
weil das Volk am heißesten Sommertage stürmisch
bergauf drängte und es ihr gar nicht pressierte ....
Sie sei ja die Hauptperson bei dem Spektakel, der Henker solle
ja nur ruhig warten, bis er blau würde, er bekäme
es ja bezahlt, und das Volk würde noch genug sehen für
sein Geld ... "Bevor ich nicht oben bin, geht's noch
nicht los!"
400 Jahre auf zugiger Höh - der Beerfelder
Galgen - dies war der Titel eines Denkmalsrundganges
der besonderen Art mit dem die Stadt Beerfelden und
der Förderverein Museumstraße Odenwald-Bergstraße
auf dieses ausgefallene Jubiläum im September
1997 aufmerksam machten. Außerdem wurde im Jahr 1997
eine Gedenkmünze von der Volksbank Odenwald eG und ein
wertvoller Sammler-Bierkrug von der Privatbrauerei Felsenkeller
Beerfelden aufgelegt, damit dieses Jubiläum nicht in
Vergessenheit gerät, denn letztendlich ist der Galgen
ein Relikt der vergangenen Rechtsprechung; ein historischer
Zeitzeuge, wenn auch mit schauriger Atmosphäre.
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