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St. Leonhardskapelle
  Stadtteil: Falken-Gesäß
 
 
St. Leonhardskapelle
bei Falken-Gesäß (Leonhardshof)

St. Leonhard war der Schutzpatron der Gefangenen, der Kranken, der Bauern und besonders der Pferde.

Die St. Leonhardskapelle wurde über einer Quelle errichtet, der heilende Wirkung zugesprochen wurde. Es wurde ein Wallfahrtsort für Bauern und Pferde. Für kranke Pferde wurden Hufeisen mitgebracht um deren Heilung zu erbeten. Dass die Pferde von weit herkamen beweißt, dass ältere Menschen von einem Leonhardspfad, der über Wald-Michelbach bis gegen Worms, sprechen. Nach dem Einzug der Reformation in den Odenwaldkreis verfiel die Kapelle. Steine wurden für die umliegenden Häuser benutzt. Auch für die Erweiterung des Beerfelder Friedhofs wurden Steine abgefahren. Auch der Graf zu Erbach ließ die Mauerwerke für die Fenster der Kapelle in Steinbach und Bausteine sowie Säulen in die Friedhofskapelle in Steinbach einsetzen. So sind nur noch wenige Reste der Mauer übrig geblieben.
1930 ging das Gelände in hess. Staatsbesitz über. 1932 begannen die ersten Ausgrabungen. 1963 wurden weitere Ausgrabungsarbeiten ausgeführt. In der Umgebung wurden Hufeisen gefunden.
Im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg befinden sich zwei Eisenvotive die von der Leonhardskapelle stammen. Da beide Stücke schon im ersten Katalog des Nürnberger Museums aufgeführt sind, müssen Sie vor 1871, dem Erscheinungsjahr dieses Kataloges, in den Besitz des Museums gekommen sein. Fundumstände und Weg der beiden Votive nach Nürnberg sind jedoch nicht mehr zu rekonstruieren. Vermutlich stammen sie aus der Sammeltätigkeit des Reichsfreiherrren von und zu Aufseß.
Bei den Ausgrabungen wurden Steinmetzartbeiten gefunden, die dem Steinmetz Hans Esele zuzuordnen sind. Dieser hatte sich in der Zeit von 1474 - 1507 in Amorbach niedergelassen. So wurde die Erbauungszeit ziemlich genau rekonstruiert.
Der Sagen nach führt von hier aus ein unterirdischer Gang nach der Ruine Freienstein. Noch eine Sage: Ein Nonnenkloster habe neben der Kirche gestanden. Ein Ritter sei auf einem Kreuzzug verschollen. Seine Braut wurde daraufhin Nonne in diesem Kloster. Ein kranker Mann kam in das Kloster und wurde gepflegt. Die Nonne erkannte in diesem Kranken Ihren Mann, gab sich zu erkennen, küsste ihn und in diesem Moment fuhr ein Blitz vom Himmel der die beiden tötete. An der Stelle wo Sie starben blühte ein Rosenstock.

 

 

 

Geschichte der St. Leonhardskapelle
  Stadtteil: Falken-Gesäß
 
 

Die St. Leonhardskirche mit der heiligen Quelle

Eben eine Stunde von Beerfelden/Odw. entfernt liegt gegen Westen, oberhalb des Dorfes Falken-Gesäß der Weiler "St. Leonhardshof".
Bis zum späten Mittelalter stand hier eine Kirche, die eine sehr bekannte Wallfahrtskirche gewesen ist. Sie gehörte als Nebenkapelle zu der großen Mutterkirche in dem nahegelegenen Centorte Burifelden (damalige Schreibweise von Beerfelden).

Im Jahre 819 wurde die ganze Mark Michelstadt durch Schenkung von Eginhard, dem Schwiegersohn von Karl dem Großen, an das damals schon so mächtige Kloster Lorsch angeschlossen. Die ersten Glaubensboten, die den christlichen Glauben des heidnischen Germanen predigten, kamen auch in diesen entlegenen Teil ihres Klosterbezirkes.

Die Besonderheit, dass hier eine mächtige Quelle auf dem Rücken eines kleinen Höhenzuges dem Waldboden entsprang und nicht, wie allgemein vorkommt, in einem Tale oder einem Abhang, gab für die hier nur zerstreut wohnenden Germanen Veranlassung genug, den Platz an der Quelle als ihr Heiligtum zu halten. Hier hielten sie nun ihre Feste ab, unter besonderen Bräuchen die Sonnenwende.

Um den Germanen den christlichen Glauben näher zu bringen, übernahmen die neuen Glaubensboten diese bereits heilig erklärte Stätte und erbauten über die Quelle eine kleine Holzkirche, die dem St. Leonhard, dem Schutzpatron der Pferde, geweiht wurde. Da diese die einzige Stelle des Klosterbezirkes war, die diesem Heiligen verehrt war, so wurde sie bald überall bekannt und viel besucht.

Von weit her kamen Wallfahrer mit großen Reiterscharen zu der Kirche in Burifelden, um dort ihre Gebete zu verrichten. Alsdann zogen sie zu der Kirche und der Quelle des Hl. Leonhard, um die Pferde zu tränken, für die sie von dem Schutzpatron Gesundheit und Kräftigung erhofften.

Die St. Leonhardskirche hatte bald eine so große Bedeutung erlangt, dass sie im Jahre 1377 von dem Edelknecht Rucklin von Hochhausen mit einer Stiftung von jährlich 15 Pfund Heller und mehreren Anteilen der Schenkung für die große Kirche in Burifelden bedacht wurde, damit außer dem Hauptkaplan noch ein zweiter Kaplan und eine Altarist gehalten werden konnten.

Von dieser Stiftungsurkunde, die mit dem Darmstädter Staatsarchiv leider verbrannte, besitze ich eine genaue Abschrift. Das Original war am 13. Dezember 1377 in der mittelalterlichen Schreibweise in umständlicher, aber hochinteressanter Art geschrieben worden.

Bereits im Jahre 1500 erwies sich die alte Holzkirche als zu klein um alle die vielen Wallfahrer zu fassen. Zur gleichen Bauzeit der 2. christlichen Kirche zu Burifelden erstand unter den Händen des Steinmetzes Hans Eseler von Amorbach eine schönere und größere Kirche in gotischem Stile. Jedoch nach der Reformation und den Religionskriegen geriet die Kirche in Verfall. Die Bauern holten sich Ziegelsteine und Balken und verwanden sie für ihre Häuser und Scheuern. Die gotischen Fenster wurden nach dem Schloss Fürstenau gebracht, wo sie in die Schlosskapelle eingebaut wurden.


Schön behauene Steine und zwei Säulen sollen für die Friedhofsmauer in Beerfelden verwandt worden sein, doch sind sie nirgends erkennbar. Höchstens könnte der gotische Eingangstorbogen der Beerfelder Leichenhalle von der St. Leonhardskirche stammen, aber ebenso ist es möglich, dass er früher ein Teil der 1810 abgebrannten Kirche in Beerfelden war.

Vor mehreren Jahren wurden in den Ruinen der St. Leonhardskirche Grabungen vorgenommen und dabei in den Grundmauern ein Stein gefunden mit einer gut erhaltenen Jahreszahl, die darauf schließen lässt, dass die noch heute stehenden Grundmauern von der ersterbauten Kirche stammen. Dieser Stein mit der Jahreszahl ist heute in den Stallgebäuden der Wirtschaft "Zum Schlawitzer" zu sehen, die etwas entfernt von der Quelle liegen.

Es besteht auch noch eine alte Sage, die von einem unterirdischen Gang erzählt, der von der Ruine Freienstein zu der alten Kirche führen soll. Aber das ist und bleibt nur eine Sage, denn das Vorhandensein eines solchen unterirdischen Ganges war nicht festzustellen.

Gleich neben der heiligen Quelle ist ein Stall- und Wohngebäudekomplex gelegen, der St. Leonhardshof. Auch er steht schon einige Jahrhunderte. Eine alte Urkunde besagt uns, dass am 16. Oktober des Jahres 1353 ein Edelknecht Bruno und seine "eheliche Hausfrau" Besitzer des St. Leonhardshof, alle ihre Leibeigenen, die den Namen Cappus führen, verkauften. Diese interessante Urkunde, von der ich auch eine Abschrift besitze, ist eine Vereinbarung mit dem Herzog Rupprecht von Bayern, der diese Leibeigenen übernahm.

Aber noch heute gibt es gerade im hinteren Odenwald viele, die den Namen Cappus tragen.

Noch vor 10 - 15 Jahren befand sich hier in Beerfelden in Familienbesitze ein interessantes Bild der St. Leonhardskirche, das in den 70 - 90 Jahren des vorigen Jahrhunderts von dem Herrn Steuerrat Decker gemalt wurde.

Man sieht darauf, dass zu dieser Zeit das ganze untere Mauerwerk mit Eingängen und Fensterbögen noch vorhanden war, was heute nicht mehr der Fall ist. Leider ging dieses aufschlussreiche Bild durch Vererbung in andere Hände über und verschwand dadurch aus unserer Gegend.

Von der einstigen St. Leonhardskirche blieb bis jetzt nichts mehr übrig, als die dereinst für so heilig gehaltene Quelle. Dieselbe sprudelt heute noch, wie vor über tausend Jahren schon, als wolle sie noch was erzählen vom Wandel der Zeiten und von allem was sich hier von frühester Zeit an bis zum Mittelalter schon abspielte.

Gärtner W. Berger sen., Am Brunnen, Beerfelden

 

 

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